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7. August 2011

Yoga: It Turned My Whole World Around And I Kinda Like It

Ich backe nicht nur Kuchen. Gelegentlich bewege ich mich auch etwas, sonst würde ich vermutlich nicht mehr durch meine Wohnungstür passen. Neben Spaziergängen (zum Bio-Markt natürlich) und anderen Alltagsbewegungen habe ich meine Liebe zu Yoga entdeckt. Bitte nicht gleich mit den Augen rollen! Ich weiß, Yoga erlebt in den letzten Jahren einen nicht zu ignorierenden Trend. Yoga-Stunden hier, Yoga-Kleidung dort - jedes Fitness-Studio, das etwas auf sich hält, bietet mittlerweile auch Yoga-Kurse an. Oberflächlich betrachtet wirkt Yoga wie etwas esoterische Gymnastik. In Wahrheit geht Yoga viel tiefer. So tief, dass es auch Platz auf diesem veganen Blog hat!

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Vor einigen Jahren habe ich mit Yoga begonnen, ungefähr zu der Zeit, als ich auch vegan wurde (was ich übrigens mittlerweile für keinen Zufall mehr halte).  Ich war extrem unbeweglich und hatte zudem noch chronische Rückenschmerzen, hatte also nicht sehr viel zu verlieren. Von Anfang an hatten die Asanas, die Yoga-Übungen, etwas an sich, was mir gefiel -  auch wenn ich nicht in der Lage war, bei gestreckten Beinen mit den Fingerspitzen den Boden zu berühren. Oder in die Nähe des Bodens zu kommen. Beim Yoga Flow, einer fließenderen und herausfordernden Art des Yogas, fiel ich einmal vor Anstrengung fast in Ohnmacht - kein Witz. Trotzdem machte es Spaß. Heute kann ich durch regelmäßiges Yoga mittlerweile Übungen mitmachen, die früher einfach unmöglich gewesen wären. Auch die Rückenschmerzen sind weg, weil mein Rücken mittlerweile kräftig genug ist, um meine etwas schiefe Wirbelsäule auszugleichen. Und letzten Sommer habe ich entdeckt, dass ich tatsächlich Muskeln am Arm habe. Das mag für manche von euch lächerlich erscheinen, illustriert aber nur, wie viel ich als ehemals "unsportlicher Couch-Potato" von Yoga profitiert habe (sprich: es gibt Hoffnung für alle!). Hier auch ein kleiner Seitenhieb an alle Männer, die denken, beim Yoga würde man nur rumsitzen und Mantren singen: Yoga kann so gemütlich oder herausfordernd sein wie ihr wollt. Und ja, man braucht für viele Asanas auch ganz schön Kraft.
Neben den physischen Auswirkungen bin ich ruhiger geworden, gelassener, und habe mehr Selbstvertrauen: Wenn ich nun endlich, endlich, nach langen Mühen, das Rad  halten kann; ich meine Sichtweise im Kopfstand umdrehe; zweieinhalb Stunden Yoga-Workshop überlebe; auf meinen Händen über dem Boden schweben kann - dann gelingt mir alles andere auch irgendwie.
Yoga hat auch viel mehr mit dem Leben zu tun, als man annehmen würde. Wenn ich bei einer Asana meine Hüfte drehe oder mein Knie beuge, weil es dann einfacher wird, dann sieht mich meine Yoga-Lehrerin an und sagt: "Weich dir nicht selber aus." Dann weiß ich, dass es im Yoga um mehr geht, als sich mit der großen Zehen am Ohr zu kratzen - es geht um die Reise zu sich selber, und damit zwangsläufig zu allen anderen.

Ihr wisst vielleicht, dass viele Yogis und Yoginis vegetarisch oder vegan leben - aber warum eigentlich? Weil man schön dünn bleibt, weil man sich ohne dicken Bauch besser zur Brezel verknoten kann, oder weil Kühe in Indien heilig sind? Ich versuche hier für euch etwas über die Verbindung zwischen Yoga und Vegetarismus zu schreiben - natürlich gibt es verschiedene Auslegungen, aber ich schreibe hier nur darüber, wie dieser Aspekt mir dargelegt wurde. Im Yogasutra (den uralten Schriften des Yoga) wird Yoga als achtgliedriger Weg dargestellt. Einer davon ist Yama, was soviel wie "Enthaltung" oder "Selbstkontrolle" bedeutet; es umfasst fünf Verhaltensregeln, wie man sich anderen Lebewesen gegenüber verhalten sollte. Dazu gehören Ahimsa (Freundlichkeit und Gewaltlosigkeit anderen gegenüber), Satya (Wahrheit sprechen), Asteya (nicht stehlen), Brahmacharya (sexuell enthaltsam sein bzw. andere nicht sexuell ausnutzen), und Aparigraha (nicht gierig sein). Überlegen wir nun einen kurzen Moment, wie unsere Welt, in der Tiere nur Produkte und Wirtschaftsfaktoren sind, mit diesen Grundsätzen zusammenpasst. Wir üben Gewalt an Tieren aus durch Schlachtung oder einfach nur die jeder Beschreibung spottenden Tierhaltung. Wir lügen uns in die eigene Tasche darüber, wo Fleisch herkommt, oder werden mit bunten, lustigen Bildchen auf Tierprodukten  über ihren Ursprung in die Irre geführt. Wir stehlen anderen Lebewesen ihre Kinder, ihre Milch, ihre Eier, ihr Fell, ihre Haut und ihr Leben. Wir erregen männliche Tiere, im ihren Samen zu bekommen, um damit die weiblichen Tiere künstlich zu befruchten, damit wir ihre Kinder essen können. In unserer Gier nach Fleisch zerstören wir die Ozeane, den Regenwald, andere Kulturen und letztendlich uns selbst. Noch Fragen? Fleischessen und Yoga passen eher schwer zusammen, auch, weil das letzte Ziel von Yoga die Erleuchtung ist - die Verschmelzung von einem selbst mit allem anderen, was ist. Wenn man sich selbst als eins mit allem sieht, wie kann man dann andere Lebewesen ausnutzen, um von ihnen zu essen?

Wenn ihr Lust habt, geht doch mal in eine Yoga-Stunde, es wird sich lohnen. Es ist auch eine gute Gelegenheit, gleichgesinnte VegetarierInnen oder VeganerInnen zu finden (ich lernte in meinem Yogahaus auch gleich vegan-ayurvedisch zu kochen). Allerdings wird nicht in allen Yoga-Varianten die Notwendigkeit einer vegetarischen oder veganen Ernährung gleich stark betont. Besonders hervorgehoben wird eine mitfühlende Lebensweise aber im Jivamukti Yoga - Veganismus wird  hier großgeschrieben (Zentren gibt es in Berlin und München, und es gibt auch viele LehrerInnen, die abseits von den Zentren Jivamukti unterrichten, eine Google Suche lohnt sich hier also). Sharon Gannon, die Jivamukti Yoga mit David Life gegründet hat, hat ein wunderbares Buch geschrieben, "Yoga and Vegetarianism", aus dem auch viele Infos dieses Posts stammen, und das auch für nicht Yoga-Praktizierende absolut empfehlenswert ist. Jivamukti Yoga ist einfach fabelhaft, ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen!

Und für alle von euch, die denken, ihr wärt zu unbeweglich, zu steif, zu schwach für Yoga - denkt an eure liebe C von Totally Veg! Wenn ich Fortschritte gemacht habe, dann könnt ihr das auch - versprochen!

Namasté!

4 Kommentare:

  1. huhu, wunderschöner Post! Ich mache selbst Jivamukti Yoga in Regensburg bei der wunderbaren Katharina. Ich habe erst durch Yoga angefangen, mich mit Veganismus zu beschäftigen - und es hat mich überzeugt. auch wenn sich das anfangs vielleicht alles etwas esoterisch anhört, im Endeffekt stimmt es ja. Brauch ich ja hier nicht zu erwähnen :-)
    Vielleicht besuchts du ja auch mal meinen Blog www.vitavegana.blogspot.com
    würde mich sehr freuen! Mach weiter so! Dein Blog ist einfach super. Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag, Namaste Romi

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  2. liebe c,
    ein wundervoller post. vielen dank dafür. ich freu mich schon auf donnerstag, da hab ich wieder yogastunde :-)
    namaste,
    die claudi

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  3. Schön. Leider verstaubt meine Yogamatte in irgendeiner Ecke, obwohl ich jedes Mal, wenn ich mal wieder da war es total genossen habe. Ich sehe dein Posting als Ansporn, denn ich kann nur zu gut nachvollziehen was du schreibst!

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  4. <3 ashtanga! hat jemand vielleicht eine ashtanga empfehlung für wien? das wäre toll! :)

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