25. April 2010

The Professional Vegan

Vegan zu leben ist der schönste Lebensstil, den es gibt - man kann im Einklang mit seinen Werten leben, und das ist nicht einmal besonders schwierig. Einen Großteil der Zeit muss man dazu nur leckeres, veganes Essen verspeisen... hmmmmhhmmm.
Trotzdem ist gerade der soziale Aspekt des Vegan-Seins für viele sicher eine Herausforderung. Das "Anderssein", das mit dem Veganismus einhergeht, stellt einen doch in den Fokus der Aufmerksamkeit, und kann anfangs ungewohnt sein. Aber glaubt mir, "anders" heißt in diesem Fall nicht schlecht oder komisch oder eigenartig, sondern mutig genug, um die Wahrheit auszusprechen und sein Leben danach auszurichten; stark genug, um als Beispiel für andere voranzugehen.
Über die soziale Komponente des Vegan-Seins gibt es so viel zu sagen; das Schöne ist, dass man absolut dazu lernt, man überwindet mit der Zeit seine Scheu und dann macht es einem immer weniger aus, mal im Rampenlicht zu stehen - manchmal kann man es sogar als Gelegenheit sehen, sich für Tiere auszusprechen.


Über die sozialen Aspekte des Vegan-Seins gibt es soviel zu sagen. Heute möchte ich jedoch kurz über Geschäftsreisen bzw. berufliche Essensverabredungen sprechen. Ich war im letzten Monat auf zwei Kongressen, einer davon war mit einer Dienstreise verbunden, beide involvierten offizielle Essensanlässe, daher war das Thema für mich gerade aktuell. Ich habe hier mal ein paar Tipps zusammengefasst, die mir in meiner Situation geholfen haben.

  • Gerade, wenn man auf Geschäftsreise fährt, so sollte man als VeganerIn doch ein paar Vorkehrungen treffen: Ich habe mir ein kleines Snack-Paket geschnürt, das aus Reiswaffeln, Tartex-Aufstrichen, Nüssen, etwas Schokolade und Sojamilch bestand. Unterwegs kaufte ich mir noch Obst und Weckerl dazu. So hatte ich immer einen kleinen Snack in der Tasche und kam nie in die Verlegenheit, irgendwo mit knurrendem Magen herumzustehen.
  • Frühstück in Hotels ist meistens das geringste Problem. Brötchen und Marmelade gibt es überall, auch Obstsalat wird oft angeboten, mit einem selbst-mitgebrachten vegetarischen Aufstrich hat man auch ein leckeres pikantes Frühstück. Ob das Hotel selbst Soja-Milch anbieten kann, kommt oft auf die Hotel-Klasse drauf an, wenn man im Vorhinein per E-Mail oder Telefon anfragt, kann das sicher nicht schaden.
  • Geht man mit Kollegen zum Essen aus, hilft es manchmal, gewisse Typen von Restaurants vorzuschlagen, z.B. indische, asiatische oder italienische Restaurants, die prinzipiell veganer-freundlicher sind. Landet man trotzdem in einem Restaurant mit fleischlastiger Hausmannskost, so sind die meisten Restaurants bereit, etwas Veganes zuzubereiten. Meiner Meinung nach in hierbei wichtig, dass man den Begriff "Vegan" erklärt, dass man also dazu sagt, was man alles nicht isst. Leider ist das oft nicht klar. Ich habe mit dieser Taktik aber gute Erfahrungen gemacht. Oft haben viele Restaurants auch Beilagen auf der Karte, die vegan sind, oder sich leicht veganisieren lassen. Wenn man sich bei seiner Bitte ein wenig an diesen Gerichten anlehnt, sind die Köche auch etwas weniger hilflos - oft wissen sie gar nicht recht, was jetzt von ihnen erwartet wird! Konkrete Vorschläge an die Küche werden meistens gut aufgenommen, wobei man eben sehr genau betonen sollte, was man nicht möchte - also keine Butter, Sahne etc.
  • Manchmal ist ein wenig mehr Planung notwendig, wenn es sich beispielsweise um ein Fest oder einen Gesellschaftsabend handelt, bei dem es ein fixes Menü geben soll. Dann sollte man als VeganerIn schon rechtzeitig vorher Kontakt aufnehmen. In meinem Fall gab es auf einem Kongress ein Buffet. Ich wusste nicht recht wohin mit meiner Bitte, darum schickte ich der Kongressorganisation eine E-Mail. Ich erkläre dabei genau, was ich "vegan" bedeutet, sprich, was ich nicht esse, und mache gleichzeitig ein paar Vorschläge für einfache vegane Gerichte (Salate, Nudeln ohne Ei mit Tomatensauce, klare Gemüsesuppen, Reis mit asiatischen Gemüse, Sorbet mit frischen Früchten...). Die Antwort war ein nettes E-Mail des Catering-Service, der mir genau aufzählte, was ich am Buffet essen konnte, und das war doch einiges! Beim zweiten Kongress nahm ich direkt mit dem Catering-Service Kontakt auf, und dadurch erhielt ich ein leckeres viergängiges Menü, vegan natürlich! Besonders mein Dessert, das aus frischem Fruchtsalat bestand, wurde aufgrund der vielen Farben auch von meinen Tischkollegen bewundert.
  • Prinzipiell erzähle ich gerne von meinem Veganismus. Fragt man mich im beruflichen Umfeld, warum ich vegan bin, so sage ich meistens etwas wie "ethische und gesundheitliche Gründe". Kommen weitere Fragen, so beantworte ich diese gerne. Kommen Versuche, meinen Lebensstil ins Lächerliche zu ziehen, oder Provokationen, so klinke ich mich höflich aus dem Gespräch aus. Nichts gegen ein gutes Streitgespräch, aber gerade im Umfeld mit Vorgesetzten, Chefs, und Leuten, die später über meine berufliche Zukunft entscheiden könnten, muss ich mich nicht aus der Reserve locken lassen. Prinzipiell habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass die Reaktionen auf meinen Veganismus durchwegs positiv sind.
  • Leider ist man als VeganerIn für viele andere Personen repräsentativ für alle anderen VeganerInnen auf dieser Welt. Das ist unfair, aber es hilft leider nicht. Manche Menschen haben noch nie vorher eine vegan lebende Person getroffen, und dieser erster Eindruck wird ihre Meinung von VeganerInnen prägen. Möchte man daher am liebsten grantig und wütend auf die dummen Fragen seiner Kollegen reagieren, so sollte man das vielleicht ein wenig im Hinterkopf haben. Manche meinen ihre Fragen gar nicht böse, aber sie haben einfach noch nie in ihrem Leben darüber nachgedacht, was mit tierischen Produkten nicht stimmen könnte, und in dem Moment kommt der Mund dem Hirn halt nicht nach.
  • Authentizität ist alles. Mein Veganismus ist etwas, das ich diskutiere, aber das nicht verhandelbar ist. Tierische Produkte sind einfach nicht drin. Aber ich versuche diesen Lebensstil mit Leichtigkeit und Lebenslust zu vermitteln, denn genau das ist es für mich. Darum versuche ich in Interaktionen genau diese Lust am Leben rüberzubingen. In Gesprächen sage ich, wieviel besser ich mich fühle, seit ich vegan lebe, wieviel glücklicher ich bin. Es ist keine Bürde für mich, und so benehme ich mich auch nicht. Bleibt bei einem Essen mal nichts anderes als Pommes für mich, dann soll es so sein. Ich nehme es mit Humor und ziehe keine Schnute. Veganismus ist Freude, kein Märtyrertum. Ich denke, dass genau diese Sicherheit und diese Freunde viele positive Reaktionen nach sich zieht.
Was sind eure Tipps für Veganismus im beruflichen Umfeld?

Kommentare:

  1. die tipps sind gut, aber aufwand ist das ganze natürlich schon.
    und ein rest unsicherheit bleibt... Brötchen sind nicht immer vegan, da müsste man eigentlich nachfragen. und bei marmelade ist auch manchmal aroma drin, das nicht vegan ist.

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  2. @Mausflaus: Ich finde es gar nicht so aufwendig. Es ist eine Gewöhnungssache. Für meine letzten beiden Kongresse habe ich zwei E-Mails geschrieben, in einem Restaurant nachgefragt, und eine Jause eingepackt (das machen eh die meisten). War nicht besonders viel Arbeit. :-)

    Zu deinem Kommentar zu Brötchen und Marmelade: Wie jeder damit umgeht, ist natürlich seine Sache. Aber die Frage ist auch, ob wir Veganismus als einen alltagstauglichen Lebensstil vermitteln wollen, oder als eine endlose Aneinanderreihung von strikten Regeln, die einem "persönliche Reinheit" garantieren. Wollen wir die Leute ansprechen und zum Veganismus ermuntern, oder ihnen unsere persönliche Willenskraft und Askese demonstrieren? Hierzu habe ich einen sehr guten Artikel gelesen, vielleicht interessiert er dich ja auch:

    http://www.veganoutreach.org/howvegan.html

    Danke für deinen Kommentar!

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  3. du hast recht dass man da abwägen muss, wie "militant" man ist, ich seh das eher locker.
    allerdings hast du geschrieben "Authentizität ist alles. Mein Veganismus ist etwas, das ich diskutiere, aber das nicht verhandelbar ist." und das hörte sich eher so an, dass dir Konsequenz sehr wichtig ist und ich finde es jetzt auch nicht aufwändiger, im hotel nachzufragen ob man ne zutatenliste für die brötchen bekommen kann bzw. von welchem bäcker die geliefert werden, als im restaurant "extrawürste" zu verlangen.

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  4. Ich glaube, wir reden ein wenig aneinander vorbei. Macht aber nix. :-)

    "Authentizität" bedeutet in meinem Fall, in Restaurants nicht plötzlich Käseomelette zu essen, weil nichts anderes da ist. Allerdings auch, dass ich einzelne Aromastoffe in Marmeladen nicht immer so interessant finde, da meiner Meinung nach hier die Bedeutung des Veganismus (d.h. die mitfühlendere Wahl zu treffen) etwas verfehlt wird. Natürlich kann das jeder so halten wie er möchte.

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  5. Toller Post! Da sind ein paar wirklich gute Tips dabei, danke für's Aufschreiben.

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  6. Ha, Tartex-Aufstriche gehören auch mit zu meinem Reiseinventar. Ich gebe zu, dass ich mich erst daran gewöhnen musste und nun meistens auch auswärts vegan esse. Letzten Freitag hab ich den Fehler begangen, ein Frühstück mit Käse zu mir zu nehmen. Das hab ich doch arg bereut.

    Ansonsten entwickelt man mit der Zeit doch eine Strategie. Ich gehe in Meetings nie ohne Sojamilch rein. Ich bereite mir Essen meistens sehr planmässig vor - ja es geht. Aber ich sollte vielleicht das "höfliche" Verabschieden aus Diskussionen noch lernen. Jaja...

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Ich freue mich immer sehr, von Euch zu hören! Vorschläge, Ideen, Lob, eine andere Meinung (respektvoll, please) - immer her damit!

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