20. November 2011

Buch "Warum wir keine Tiere essen" & Interview mit der Autorin

Es gibt eine Folge in der Serie Friends, in der Phoebe in einer Grundschule ihre selbstkomponierten Lieder singt. Anstatt den Kindern von Blumen, sprechenden Hündchen und Santa Claus zu erzählen, singt sie lieber darüber, warum Oma in Wahrheit nicht auf Urlaub, sondern eigentlich tot ist, und wie aus Kühen Hamburger werden. Während die Eltern entrüstet und schockiert sind und ihr weitere Auftritte verbieten, suchen sie die Kinder selbst einige Tage später auf. Sie sind von Phoebe begeistert, weil ihnen endlich jemand die Wahrheit erzählt.


Auch wenn es vermutlich keine gute Idee ist, sich in Erziehungsfragen nur auf den Fernseher zu verlassen, halte ich es doch für eine gute Idee, Kinder nicht zu belügen, sondern ihnen die Wahrheit zu sagen, natürlich kindgerecht. Und genauso, wie wir unseren Kinder bei der Aufklärung keine Schmuddelheftchen aus Onkel Edi's Nachtkästchen zeigen, genauso sollten wir Kindern auch behutsam erklären, wie die Wurst in der Semmel denn eigentlich entsteht.
Spätestens seit auch die American Dietetic Association (amerikanische Vereinigung von ErnährungsexpertInnen) erklärt hat, dass Vegetarismus und Veganismus ein Lebensstil ist, der für alle Altersstufen geeignet ist, ist vegane Kindererziehung kein Tabuthema mehr. Erziehung besteht großteils in der Weitergabe von persönlichen Werten, und natürlich wollen vegane Eltern ihren Kindern genau diese Werte von Mitgefühl mit allen Lebewesen auch vermitteln.
Ein schönes Buch dafür ist das Werk von Ruby Roth, "Warum wir keine Tiere essen". In vielen künstlerischen Bildern und kurzen Texten bringt sie Kindern (und Erwachsenen) näher, wie Tierprodukte eigentlich entstehen, wie sich das auf die Tiere und die Umwelt auswirkt, aber auch wie interessant und vielfältig Tiere eigentlich sind. Da wird von mitfühlenden Kühen, verspielten Truthähnern und klugen Delphinen erzählt, aber auch von dunklen Ställen, in denen die Tiere gehalten werden, von Vögeln, die niemals fliegen und von Kälbern, die nie bei ihren Müttern sind. Das Thema ist ernst, daher ist dies auch kein "Die Kuh, die uns die Milch macht, der fröhliche Maikäfer und warum die Welt so wunderbar ist"-Buch  (ihr wisst, was ich meine) sondern eines, das die Wahrheit einfühlsam näher bringt, aber auch aufzeigt, dass wir die Macht haben, die Umstände für alle Lebewesen zu verbessern. Insgesamt ein schönes, ungewöhnliches Kinderbuch, einzigartig in seiner Direktheit und doch behutsam. Sicherlich ein gutes Geschenk für Kinder, vegane und vegetarische Eltern und all jene, die es gerne werden möchten. 

Ruby Roth war so nett, einige Fragen für Totally Veg! zu beantworten, besonders Fragen, die mich selbst nach dem Lesen des Buches interessierten (aus dem Englischen übersetzt).

Frage: Was war deine Inspiration für ein veganes Kinderbuch?
Ruby Roth: In meinem Beruf als Lehrerin fragten meine Schüler immer, warum ich den Käse nicht aß, den sie in der Pause bekamen. Als ich ihnen die Gründe dafür erklärte, war ich überrascht, wie interessiert sie waren und wieviele Fragen und Gedanken sie über Tiere und gesundes Essen hatten. Dann suchte ich nach einem Buch, um es mit ihnen gemeinsam zu lesen, aber da ging es in allen nur um sprechende Tiere oder sprechendes Gemüse und meine Schüler waren viel zu smart und cool dafür! Ich wollte ein Buch, das behutsam mit dem Thema umgeht, aber die Wahrheit nicht beschönigt. Ich habe einen Abschluss in Kunst und American Social Politics, also beschloss ich selber ein Buch zu gestalten.

Frage: Für welche Altersstufen ist dein Buch geeignet?
Ruby Roth: Eltern könnten einige Bilder und Ideen des Buches Kindern ab vier Jahren näherbringen, aber das beste Alter für dieses Buch ist sechs bis zehn Jahre. Ältere Kinder, die die Welt schon bewusster wahrnehmen, können die Informationen im Buch etwas besser verarbeiten.

Frage: Die Ausbeutung von Tieren ist ein ernstes Thema, da ist es wohl nur passend, dass einige Bilder in dem Buch ein wenig düster sind, manche Bilder sind etwas traurig. Aber wie reagieren Kinder und Eltern auf die Bilder?
Ruby Roth: In all den Lesungen habe ich nie auch nur ein einziges Kind erlebt, das durch das Buch aufgeregt wird - das betrifft immer nur die Erwachsenen! Einige Erwachsene finden das Thema zu angsteinflößend für Kinder. Aber ich bin der Meinung, wenn es zu angsteinflößend ist, um darüber zu reden, ist es sicherlich zu angsteinflößend, um es essen. Wenn man ehrlich und ruhig mit den Kindern spricht, dann regen sie sich auch nicht auf. Und wenn wir ihnen beibringen, dass sie sich vor Dingen, die sie verändern können, auch nicht fürchten müssen, dann werden aus ihnen starke, selbstbestimmte, verantwortungsvolle Erwachsene.

Frage: Wie kann man Kindern Veganismus und Tierrechte sonst noch näherbringen?
Ruby Roth: Jeder kann einen veganen Lebensstil führen - das betrifft Essen, Kleidung, Produkte, die wir kaufen, Unterhaltung, die wir uns ansehen. Ob wir in der Schule sind, im Supermarkt oder mit unseren Kindern einen Einkaufsbummel machen, es gibt immer Möglichkeiten, Kindern zu zeigen, wie man mitfühlende Entscheidungen trifft, die sich auf Tiere, Menschen und die Umwelt positiv auswirken.

Frage: Hast du sonst gerade aktuelle vegane Projekte?
Ruby Roth: Ja! Mein nächstes Buch kommt 2012 in den USA heraus. Es geht um den veganen Lebensstil und wie wir Liebe in diese Welt bringen können, einfach nur durch die Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen. Ich werde daran arbeiten, es auch in Deutschland erhältlich zu machen.

Ruby in Aktion

"Warum wir keine Tiere essen" von Ruby Roth ist im Echo Verlag erschienen und bei Amazon und anderen Buchhändlern erhältlich (ISB-10: 3926914513).

Für mehr Info über das Buch und Ruby Roth:
"Warum wir keine Tiere essen" im Echo Verlag
wedonteatanimals.com (auf Englisch)
webevegan.com (Ruby's Blog auf Englisch)

Kommentare:

  1. Tolles Interview über ein sehr interessantes Projekt! Meine Mama ist auch Grundschullehrerin und ich werde ihr dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. lg

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  2. Das Buch ist total schön! Durfte auch schon mal dort hinein sehen... (:
    Das Interview gefällt ebenso! LG!

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